Verhülltes sieht man besser ...    DER ALTAR

altarAus dem Liturgieausschuss unserer Gemeinde ist die Anregung gekommen, in dieser Fastenzeit auf besondere Symbole des Kirchenraumes aufmerksam zu machen. Die Symbole/Gegenstände werden auffallend verhüllt, um sie schließlich wieder zu enthüllen und sie dadurch neu sichtbar zu machen.

Bereits am vergangenen Sonntag haben Sie den Ambo, das Lesepult, im Altarraum in seiner Verhüllung gesehen. Eine Erläuterung dazu war den wöchentlichen Pfarrnachrichten beigelegt. Heute sehen Sie einen zentralen Ort der Gottesdienstfeier mit weißen Tüchern umkleidet, den Altar. Die Verhüllung soll uns anregen, über die tiefere Bedeutung dieses Symbols nachzudenken und seine Verehrung zu verstehen.

Der Altar ist der zentrale Ort einer katholischen Kirche. In der Einführung zum Messbuch heißt es: „Der Altar, auf dem das Kreuzesopfer unter sakramentalen Zeichen gegenwärtig wird, ist auch der Tisch des Herrn, an dem das Volk Gottes in der gemeinsamen Messfeier Anteil hat. Er ist zugleich Mittelpunkt der Danksagung, die in der Eucharistiefeier zur Vollendung kommt“ (IV.Nr.259) Der Altar ist das Christussymbol schlechthin.Darauf weisen auch die fünf Weihekreuze auf dem Altar. Bei der Altarweihe werden sie mit Chrisamöl und Weihrauch verfüllt, die angezündet werden. Die fünf brennenden Kreuze symbolisieren die fünf Wundmale des Gekreuzigten. Auf diese Weise wird die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi auf dem Altar erinnert. Vergegenwärtigung ist mehr als bloß Erinnerung. Vergegenwärtigung bedeutet das Überspringen von Raum und Zeit. Wenn hier Gottesdienst gefeiert wird, nimmt die Gemeinde am letzten Abendmahl teil (Vergangenheit), sie feiert jetzt (Gegenwart) das Mahl der Heiligen (das sind wir, die Gottesdienstteilnehmer), in dem das himmlische Gastmahl (Zukunft) aufleuchtet. Der Altar wird so zum „Thron der Gegenwart Gottes“.

Im Überspringen von Raum und Zeit wird aber noch etwas anderes deutlich: Gottesdienst feiert man nie nur mit denen, die gerade anwesend sind. Gottesdienst feiert man auch mit denen, die schon bei Gott sind. Deshalb feierten schon die frühen Christen ihre Gottesdienste an Märtyrergräbern. In Erinnerung daran ist in Altären häufig eine Reliquie (etwas von den sterblichen Überresten eines Heiligen) eingelassen.

Pfarrer Alfred Manthey

(c) 2017 Pfarrgemeinde St. Josef in Bocholt

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