Das Sakrament der Krankensalbung

Wenn ein Mensch ernsthaft krank ist, erlebt er einen Ausschluss in verschiedener Form.                                                                                                               

Kranke Menschen werden herausgerissen – aus ihrem alltäglichen Leben, aus den gewohnten Lebensäußerungen, aus tragenden Zuwendungen und Begegnungen. Vieles ist plötzlich ganz anders. Sie sind meist neuen Abläufen ausgeliefert: anderen Menschen und ihrer professioneller Hilfe in einer verunsichernden Situation und ungewohnten Abläufen. Hinzu kommen Fragen nach dem weiteren Geschehen, Ängste vor Unbekanntem und Sorgen vor Belastungen langdauernder Krankheit oder dem Tod.                                                  
Die Erkrankung hilft aber auch, die grundlegenden Fragen des Lebens wieder neu zu entdecken und zu bedenken. Sie fordert uns heraus zu einem bewussteren Leben mit Gott.

Gott ist, so glauben wir, schon immer da, auch wenn wir krank sind. Aber er wird erfahrbar und erlebbar, wahrnehmbar und spürbar durch Menschen und die Zeichen, die die Kirche in Erinnerung an das Handeln und den Auftrag Jesu anbietet. Er war „den Bedrängten und den Verzweifelten ein Bruder“, heißt es in einem Hochgebet der Liturgie.                                                                                        
Die Sorge für die Kranken geht auf Jesus selbst zurück. In den Evangelien zeigt sich Jesus als der große Gegner und Überwinder der Krankheit. Er zeigt dadurch, dass Gott dem Leidenden nicht fern, sondern besonders nah ist.                  
Jesus hat seine Sorge für die Kranken seinen Jüngern übertragen. Die Kirche nimmt diese Sorge auf. In der sakramentalen Feier der Krankensalbung und in vielen anderen Formen der Zuwendung zu den Kranken, z. B. im Gebet für die Kranken, im Krankenbesuch, in der Spendung der Krankenkommunion wird eine tiefere Möglichkeit geschenkt, ein ‚Ja‘ zu Gott zu sagen und letztlich von ihm allein Hilfe und Heil zu erwarten.

Die Krankensalbung ist das eigentliche Sakrament der Kranken. Darin geht es um das Leben und nicht etwa um das herannahende Ende; die Krankensalbung darf nicht als Vorbote des Todes erscheinen!                                                              
Das Sakrament soll in jeder ernsthaften Erkrankung, die eine Erschütterung des gesamtmenschlichen Befindens darstellt, empfangen werden. Darum gehört die Krankensalbung auch nicht in den Zusammenhang des Lebensendes. Sie hat ihren Platz in der Situation jeder ernstlichen Erkrankung und kann deshalb mehrmals im Leben, ja auch innerhalb einer fortschreitenden Krankheit wiederholt empfangen werden.

Die Feier des Sakramentes kann auf verschiedene Weise erfolgen: Im kleineren Kreis in der Wohnung des Kranken, in einem passenden Raum eines Krankenhauses oder Seniorenheimes/Pflegeheimes, in einer Kapelle oder auch in der Pfarrkirche. Nicht zuletzt kann die Krankensalbung eingefügt sein in die Feier der Hl. Messe, gelegentlich sogar im Rahmen einer Krankenwallfahrt oder eines Krankentages.  
In der Liturgie legt der Priester dem Kranken schweigend die Hände auf das Haupt, dann salbt er den Kranken auf der Stirn und auf den Händen mit heiligem Öl und spricht dazu die entsprechenden Begleitworte.                                  
Die Salbung auf der Stirn und an den Händen meint den ganzen Menschen als denkende und handelnde Person. Der gläubige Christ, der durch die Krankheit leib-seelisch tief getroffen ist, soll durch die Salbung und das Gebet im Namen Gottes gerettet und aufgerichtet werden.

In Verbindung mit der Krankensalbung kann auch das „Sakrament der Versöhnung“ (die Beichte) empfangen werden.                                                                  
Häufig, wenn die Umstände es erlauben, empfangen der Kranke und die anwesenden Angehörigen auch die Hl. Kommunion.

Das Sakrament der Krankensalbung spendet der Priester.                                                  
Wer das Sakrament empfangen möchte, wendet sich daher unmittelbar an einen Priester oder an verantwortliche Seelsorgerinnen und Seelsorger der Gemeinde, die den Wunsch nach Spendung des Krankensakramentes weiterleiten. Nicht zuletzt nimmt auch das Pfarrbüro einer Gemeinde den Wunsch um priesterlichen Beistand auf. In einem Krankenhaus oder in einem Seniorenheim/Pflegeheim leiten Verantwortliche auf den Stationen eine solche Bitte weiter.

Pfarrer Alfred Manthey

                                                                                                                                  

Vgl. Pastorale Einführung in die Feier der Krankensalbung                                                                        
Vgl. Erwin Wespel, Der Herr ist mein Hirte; Kommunionfeiern mit kranken Menschen.                                                                      

(c) 2017 Pfarrgemeinde St. Josef in Bocholt

Zum Seitenanfang