Nachdenkliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Einkehrtag

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„Armut - Skandal oder Tugend? – Wozu uns das Evangelium herausfordert“ unter diesem Thema brach­te am 1. Fastensonntag der Kapuzinerpater Professor Dr. Thomas Dienberg ca. 45 Teil­neh­mer­innen und Teilnehmer zu intensivem Nachdenken.

In seinem ersten Impuls ging es dabei um die Frage „Wo und wie nehmen wir Armut wahr?“ Dabei machte er auch deutlich, dass existenzielle Armut eine Menschenrechts­verletzung ist, weil sie den Menschen entwürdigt. Anschließend entfaltete Pa­ter Thomas Dienberg am Beispiel des Heiligen Fran­ziskus von Assisi die Lebenshaltung der „evan­ge­lischen Armut“, die man auch als „evangelische Sorglosigkeit“ bezeichnen könnte. Dabei wurde deut­lich, wie sehr Franziskus sich bemühte, durch die Haltung der Armut das Evangelium zu leben und da­mit Christus nachzufolgen, in dem Gott selbst die Armut gewählt hat, um den Menschen nahe zu sein. In dieser Nachfolge wusste sich Franziskus mit­ten unter die Armen gestellt und begegnete Ihnen in unbedingter Geschwisterlichkeit. Armut war für Franziskus die Freiheit davon, sich um Besitz sor­gen und ihn verteidigen zu müssen.

2018 Einkehrtag Armut Titel

Diese Armut leb­te er so konsequent, dass es für ihn nicht vor­stell­­bar war, dass seine Brüdergemeinschaft Klöster bau­te und besaß, auch wenn das bei dem ra­schen Wachstum der Brudergemeinschaft noch zu Leb­zeiten von Franziskus notwendig wurde. Damit begleitete die Frage, wie „Armut im Sinne des Evan­ge­liums“ im konkreten Leben jeweils aussieht, von Anfang an die franzis­kani­sche Gemeinschaft. Mit einem Zitat aus einer Prä­sen­tation dieses Nachmittags ließe sich zusammenfas­sen: „Die Kraft der Armut liegt darin, nicht an Gütern jeglicher Art zu hängen, nichts festzuhalten, nicht gefangen zu sein …“ und „Der Umgang mit Besitz ist eine Frage der Herzensbildung, nicht nur woran der Mensch sein Herz hängt, sondern auch wie er zu einem Herzen kommt, das offen ist für Gott und die Menschen …“ (Pater Michael Plattig, Karmelit)

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Im dritten Schritt ging es beim Einkehrtag um die Frage von Kirche und Armut. Dabei riss Pater Tho­mas Dienberg mit Zitaten des Jesuiten Jörg Alt die Fragen auf, was eine Arme Kirche bewirken könne und welche Kirche sich die Armen selbst wünschen. Insgesamt komme es weniger darauf an, dass die Kirche selbst arm im Sinne von mittellos sei, sondern darauf, dass sie Kirche auf der Seite der Armen sei und das aus der Lebenshaltung der evangelischen Armut zu sein versuche. Gott selbst steht, was schon im Alten Testament nicht zu übersehen ist, auf der Seite der Armen. Die Armut der Kirche als „Armut vor Gott“ müsse vor allem in drei Dimensionen sichtbar werden: (1) Den Dingen gegenüber frei sein, (2) den Armen nahe sein und (3) von der Weisheit der Armen lernen. Mit Blick auf die Ge­mein­de gilt es zu fragen, ob der Dienst der Diakonie (die gelebte Nächstenliebe an den Armen) auf die caritativen Einrichtungen abgeschoben wird und wie die Trennung von Diakonie (Armut) und Liturgie (Auferstehung) überwunden werden könne.

Seine Impulse schloss Pater Thomas Dienberg mit einer Empfehlung von Clemens von Alexandrien an einen Reichen: „…der du reich und mächtig bist … nimm dir vor, wenigstens auf einen einzigen zu hören …“ und Pater Thomas Dienberg ergänzte: „Und er empfahl dem Reichen an anderer Stelle, dass dieser „Einzige“ ein Armer sei“.

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In der abschließenden Eucharistiefeier, die von Jupps Band musikalisch gestaltet wurde, wurde in der Predigt deutlich, dass Armut und „evangelische Armut“ als Lebenshaltung immer auch eine innere Ver­bindung zu der Suche nach Frieden zwischen den Völkern und zwischen den Menschen, aber auch zu der Suche nach  Frieden mit sich selbst haben.

Erstaunen konnte dabei die Erfahrung, wieviel moderne Kirchenlieder auch zu diesem Thema etwas zu sagen haben, auch wenn das Wort Armut darin gar nicht auftaucht.

Allen, die diesen Einkehrtag möglich gemacht haben, sei auch hier herzlich dafür gedankt.