AmboVerhülltes sieht man besser – Unsere Aktion zur Fastenzeit

Während der österlichen Bußzeit werden wir Sonntag für Sonntag einen liturgischen Ort in unseren Kirchen mit Tüchern verhüllen. Zunächst den Ambo, dann auch den Altar, die Heiligenfiguren, den Taufbrunnen und dann wie gewohnt die Kreuze.

Die Stoffe verhüllen diese Plätze. Ihr Äußeres wird unserem Auge entzogen. Ihre Gestalt jedoch bleibt uns erhalten. Wir sehen sie nicht und wir sehen sie doch! „Fasten mit den Augen“ könnten wir das nennen. Warum? Damit unsere Augen nicht an der Oberfläche hängen bleiben. Damit wir mit unserem Sein nicht oberflächlich werden! Die Predigten an den Fastensonntagen sollen helfen, den tieferen Sinn dieser Orte neu zu entdecken.

In der Osternacht werden wir diese liturgischen Orte wieder enthüllen. Dann kann das Auge Altes neu entdecken und seine Schönheit neu in sich aufnehmen. Alle diese Gegenstände sind Symbole für die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Vielleicht kann diese Botschaft unser Herz an Ostern besonders erreichen, wenn wir neu auf die sonst alt gewohnten Elemente schauen. Das Geheimnis von Ostern, die Auferstehung unseres Herrn, ist unserem Auge entzogen.

Dieses Geheimnis können wir nicht sehen, aber wenn wir es glauben können, kann es das ganze Leben verändern! Wir sehen nicht und wir sehen doch

Das Fasten mit den Augen will uns helfen die Sehkraft des Herzens zu schärfen, damit wir die Osterbotschaft in ihrer Schönheit und Tiefe erfassen können.

Der Ambo

Am ersten Fastensonntag verhüllen wir den Ambo.

Der Ambo ist der Ort der Verkündigung des Wortes Gottes. In der Geschichte hat sich die Gestaltung dieses Platzes mehrfach gewandelt. Aus dem Platz an der Chorschranke (später Kommunionbank) wird im Laufe der Jahrhunderte die Kanzel. Den älteren Christen ist der Gebrauch noch gut in Erinnerung. Die alte Liturgie trennt dann jedoch die Verkündigung der biblischen Texte, die am Altar stattfand, vom Ort der Predigt („von der Kanzel herab“).

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Reform der Liturgie den Ambo als den Ort der Verkündigung festgelegt. Dort werden uns die biblischen Texte verkündet. Das bedeutet mehr als ein reines „Zitieren“ oder „Vorlesen“ der oft schon längst bekannten Inhalte. Im Gottesdienst will Gott selbst zu uns sprechen. Auch im Wort Gottes ist der Herr unter uns gegenwärtig. Er selbst möchte den Menschen berühren mit seinen Gedanken, in unsere Zeit und in die momentane persönliche Situation hinein sprechen. Der Predigt kommt die Aufgabe zu, das Bibelwort zu erklären und eine Übersetzungshilfe in unsere Zeit zu sein.

Manche Bibelstellen sprechen von alleine zu uns, andere erschließen sich eher schwierig, manchmal bleiben sie lebenslang sperrig. Haben Sie eine Lieblingsstelle? Vielleicht ist die Verhüllung des Predigtstuhls die Aufforderung einmal im Herzen zu forschen, wo Gott mir schon einmal ins Herz gesprochen hat. Vielleicht gibt es da schon einen Glaubensschatz zu heben. Wenn wir uns gegenseitig von unserem Lieblingswort erzählen, können wir einander im Glauben beschenken.